klüger fühlen 06 – Klüger fühlen!

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klüger fühlen!

Inhalt:

klüger fühlen 01 – Warum wir fühlen
klüger fühlen 02 – Eine neue Ordnung der Gefühle
klüger fühlen 03 – Grundgefühle 1. Ordnung
klüger fühlen 04 – Grundgefühle 2. Ordnung
klüger fühlen 05 – Der schillernde Kosmos der komplexen Gefühle
klüger fühlen 06 – Klüger fühlen!

 

 

klüger fühlen 06:

Klüger fühlen!

„Höchste Weisheiten sind belanglose Daten,
wenn man sie nicht zur Grundlage von
Handlungen und Verhaltensweisen macht.“

Peter F. Drucker

Was ergibt sich aus diesem Modell unserer Gefühle für unseren täglichen Umgang mit ihnen? Welche Schlüsse lassen sich ziehen, und wie können diese uns im Umgang mit unserem eigenen Gefühlsleben hilfreich sein?

Dieses letzte Kapitel führt uns von der Theorie zurück ins wahre Leben. Dort schließlich haben viele von uns es immer wieder mit schwierigen Gefühlen zu tun.

Die Eleganz dieses Modells liegt darin, dass wir nicht mehr jedes einzelne unserer mannigfaltigen Gefühle verstehen und durchleuchten müssen.

All unsere Gefühle entstehen aus den 6 Grundkräften Freude, Ärger und Traurigkeit, Überraschung, Angst und Lust. Kaum eines enthält mehr als eines oder zwei dieser Grundgefühle in relevanter Stärke. Diese Grundkräfte allerdings definieren bereits die Richtung und das Ziel der zum Ausdruck kommenden emotionalen Energie. Wir müssen lediglich in der Lage sein, diese 6 unterschiedlichen Energien in unserem eigenen Erleben zu differenzieren und zu identifizieren.

Hierzu braucht es kein langes Training. Das ist nicht schwer.

Wie diese basale Unterscheidung unseren Umgang mit unseren „schwierigen“ Gefühlen radikal vereinfacht, zeige ich im zweiten Teil dieses Abschnitts.

Zunächst jedoch möchte ich unsere gemeinsame Aufmerksamkeit auf jene Gefühle lenken, die uns in aller Regel keine großen Probleme machen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es egal wäre, wie wir mit ihnen umgehen.

 

Freude und Lust: Have a good time!

„Ich fühle mich heute so energetisiert, als hätte man
in meinen Genen die Doppelhelix von beiden Seiten
mit Lunten angezündet.“
Christa Schyboll

Es ist fast ein wenig seltsam, dies überhaupt zum Thema zu machen. Sollten wir doch davon ausgehen, dass kaum ein Mensch überhaupt etwas besseres zu tun wüsste, als Freude und Lust (und auch ein bisschen Überraschung) in sein Leben einzuladen.

Traurigerweise ist dem gar nicht so.

Viele Menschen in unserer Kultur haben in der Tat große Hemmungen darin, sich wirklich über Dinge oder auf Dinge zu freuen. Zwar benennen sie Freude, aber ihre Augen leuchten dabei nicht, so wie es bei gefühlter Freude der Fall ist. Das Konzept von „Freude über“ oder „Lust auf“ existiert für diese Menschen sehr wohl. Allerdings fühlen sie diese Gefühle nur in begrenztem Maße.

Erinnern wir uns:

Die Freude verstärkt neuronale Bahnen immer dann, wenn unser System eine Befriedigung von Bedürfnissen erlebt. Zwar lernt unser System auch an den unangenehmen Gefühlen, an der Freude aber lernt es, was funktioniert.

Die Lust erhöht unser Energieniveau in Vorbereitung auf ein zukünftiges Ereignis. Selbst wenn das, worauf wir uns freuen, noch in einiger Zukunft liegt, steht uns die durch die Lust entstandene Energie im Hier und Jetzt zur Verfügung. Dieser Energie nämlich ist es egal, ob wir sie dafür nutzen, um unsere Fäuste zu ballen und zu schmollen, im Zimmer auf und ab zu gehen, die Fenster zu putzen, zu joggen oder ein Projekt voran zu treiben.

Wir können uns entscheiden, hohe Hürden an das zu legen, worüber und worauf wir uns freuen. Dies wird allerdings ohne jeden Zweifel die Auswirkung haben, dass wir uns von nun an seltener freuen. Außerdem führt es dazu, dass unser Gehirn weniger von dem lernt, was uns gut tut.

Ich persönlich habe mich dafür entschieden, in diesem Leben, das möglicherweise mein einziges ist, Freude und Lust möglichst häufig und möglichst intensiv zu fühlen. Darum freue ich mich viel und gerne über und auf kleine Dinge.

Mein eigenes Leben ist dadurch bedeutend vielfältiger und reicher geworden, als es vorher war. Mir ganz persönlich gefällt das ausgesprochen gut.

 

„Überraschung!!!“

„Zu mancher richtigen Entscheidung kam es nur,
weil der Weg zur falschen gerade nicht frei war.“
Hans Krailsheimer

Nicht jede Überraschung, die wir erfahren, ist uns willkommen. Manche erleben wir als Enttäuschung. In der Tat ist jede Überraschung, ob positiv oder negativ, genau dies:

Eine Ent-Täuschung.

Die Überraschung lehrt uns, dass unsere Annahmen fehlerhaft waren – sei dies in die eine oder in die andere Richtung. Das bedeutet: Der Moment der Überraschung ist ein Moment des Lernens. Wir erfahren mehr über die Situation, in der wir uns befinden.

Je besser wir die Welt, das Leben und unsere Mitmenschen kennen, desto bewusster und leichter können wir unser Leben leben. Dafür ist es allerdings notwendig, dass wir immer wieder ent-täuscht werden. Beziehungsweise: überrascht.

Daher sollten wir das Leben und unsere Mitmenschen bereitwillig dazu einladen, uns immer wieder zu überraschen und zu ent-täuschen. Damit unser Blick auf uns selbst, das Leben, die Welt und die Menschen um uns herum so klar und ungetrübt werden kann, dass wir sehen, was wirklich ist.

 

Ärger und Traurigkeit: „love it, change it, leave it!“

„Die Natur muss gefühlt werden.“
Alexander von Humboldt

Grundlage all unseren Fühlens ist ist der Zustand unserer körperlichen oder psychischen Bedürfnisse. Diese Tatsache ist vor allem im Umgang mit Ärger und Traurigkeit massiv relevant.

Da uns Ärger und Traurigkeit auf den Zustand unserer Bedürfnisse hinweisen, wir zu diesen jedoch zumeist nur indirekten Zugang finden, lauten die zwei ersten Grundfragen im Umgang mit ihnen:

1. Welcher meiner Wünsche ist gerade unerfüllt?
2. Welches Bedürfnis kommt durch diesen Wunsch zum Ausdruck?

Je klarer ich in der Lage bin, die Bedürfnisse hinter meinen Wünschen zu erkennen und zu benennen, desto flexibler werden meine Wünsche, weil ich weiß: Nicht sie sind es, worum es geht, sondern unsere ursprüngliche Bedürfnisse dahinter.

Sobald ich die aktuell unerfüllten Bedürfnisse identifiziert habe, stellen sich sich nächsten beiden Fragen:

3. Gibt es etwas, das ich tun kann, um diesen Zustand zu ändern? Und wenn ja:
4. Bin ich gewillt, in der Lage und bereit, das hierfür Notwendige zu tun?

Lautet die Antwort auf diese Fragen „ja!“, dann ist es an der Zeit, mein Bestes zu geben, um die Situation, in der ich mich befinde, zu verändern. Die beste Energie hierfür ist die Entschlossenheit – die reine, konstruktive Kraft des Ärgers.

Ist die Antwort auf eine der beiden letzten Fragen ein „nein!“, dann ist es an der Zeit, das, was ich nicht ändern kann (oder will) anzunehmen, auch wenn dadurch wichtige Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Die Energie, die uns dies möglich macht, finden wir in der Traurigkeit.

Jeder Funken unserer Lebenskraft steht uns nur einmal zur Verfügung. Wir können ihn dafür verwenden, an Dingen herumzuzerren, die wir nicht verändern können. Oder wir stecken ihn in diejenigen Dinge, die wir verändern können. Im Grunde erscheint die Entscheidung leicht.

Damit wir diese Wahl jedoch treffen können, ist es notwendig, dass wir sowohl Ärger als auch Traurigkeit als positive Kräfte unseres Lebens erkennen und anerkennen. So lange wir uns eines dieser beiden Gefühle untersagen, weil wir glauben dadurch würden wir „böse“ oder „schwach“, so lange steht uns die diesem Gefühl innewohnende Kraft nicht zur Verfügung.

 

Angst

„Schau der Furcht in die Augen,
und sie wird zwinkern.“
Russisches Sprichwort

Jede Angst, die wir fühlen, ist auf ein Ereignis in der Zukunft ausgerichtet. So lange dieses Ereignis, das wir fürchten, in der Zukunft liegt, werden wir daher Angst empfinden – wahlweise in ihrer Reinform oder aber als komplexe Stimmung der Sorge, des Unbehagens, des Misstrauens oder der Schüchternheit.

Den größten Teil dieser Zeit über dringt diese Angst nicht in unser Bewusstsein. Wir spüren sie allerdings, wenn wir Acht geben, als latente Dauerspannung, die dazu führt, dass wir an Eleganz verlieren, leichter Fehler machen und bedeutend häufiger in Konflikte geraten. Außerdem verbraucht diese Spannung unsere Energie.

Ein guter Umgang mit der Angst ist weitaus diffiziler als mit Ärger oder Traurigkeit. Schließlich sind Ungewissheit und Unklarheit ihr Wesenskern. Die Angst erhält sich selbst durch Spekulationen, Ahnungen und Andeutungen aufrecht. Daher ist es klug, der Angst mit wachem Geist zu begegnen. Anders wird es uns nicht gelingen, die tatsächlichen Fakten, Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten aus dem emotionalen Durcheinander zu extrahieren, mit dem die Angst uns unter Spannung setzt.

Fragen im Umgang mit der Angst:

1. Wovor fürchte ich mich eigentlich genau?
2. Wie wahrscheinlich ist das Ereignis, das ich fürchte?
3. Welche Konsequenzen hätte dieses Ereignis schlimmstenfalls auf mein Leben? (worst case scenario)
4. Welche positiven Alternativszenarien wären möglich? (best case scenario)
5. Welche Möglichkeiten habe ich, aktiv auf das Ereignis einzuwirken?
6. Welche Möglichkeiten habe ich noch?
7. Welche Möglichkeiten habe ich noch?

Eine handfeste Strategie im Angesicht von Angst besteht darin, diejenigen Dinge, vor denen wir uns fürchten, so bald wie möglich zu tun. Dieses eine Gespräch so bald wie möglich zu führen. Diese eine Information so bald wie möglich einzuholen. Diese eine Entscheidung so bald wie möglich zu fällen.

In dem Augenblick, in dem das, wovor wir Angst hatten, Wirklichkeit wird, verwandelt sich die Angst. Entweder in Ärger oder in Traurigkeit oder in Freude. Was immer passieren wird, wenn es passiert: Danach haben wir Gewissheit.

 

Der Haken an der Sache…

„Man reist ja nicht um anzukommen,
sondern um zu reisen.“

Johann Wolfgang von Goethe

Einige der Leserinnen und Leser werden zwischendurch gedacht haben: So einfach kann es nicht sein.

In der Tat: das stimmt.

Das bedeutet nicht, dass dieses Modell nicht genau so Bestand hat, wie ich es in dieser Artikel-Reihe vorgestellt habe.

Allerdings ist das, was wir das „ich“ nennen, in meinen Augen mit Nichten ein Phänomen im Singular, sondern im Plural. Unsere Psyche besteht aus vielen (bei Erwachsenen im Schnitt 15-20) verschiedenen inneren Instanzen oder Anteilen.

Diese Instanzen, Aspekte oder Anteile unserer Persönlichkeit erzeugen in ihrem Zusammenwirken das, was wir „ich“ nennen. Und da diese Anteile in uns voneinander verschieden sind, haben sie zum Teil sehr unterschiedliche Auffassungen über das, was uns geschieht, treten ein für die Erfüllung verschiedener Grundbedürfnisse und erleben in Anbetracht der derzeitigen Bedürfniserfüllungslage Gefühle der einen oder anderen Art.

Wenn wir uns selbst und unserem Fühlen wirklich auf die Schliche kommen wollen, ist es also, hilfreich und nützlich, uns immer wieder die Frage zu stellen:

Wer in mir ist es, der das fühlt?

Dieser Frage aber gehen wir an anderer Stelle nach.

 

 

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klüger fühlen 01 – Warum wir fühlen
klüger fühlen 02 – Eine neue Ordnung der Gefühle
klüger fühlen 03 – Grundgefühle 1. Ordnung
klüger fühlen 04 – Grundgefühle 2. Ordnung
klüger fühlen 05 – Der schillernde Kosmos der komplexen Gefühle
klüger fühlen 06 – Klüger fühlen!

 

 

Die Reihe „klüger fühlen!“
erscheint wortgleich auf


und
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